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Süddeutsche Zeitung, 11.5.2009

Viele Farben
Das Ensemble Zeitsprung mit Zahnhausens "Klingender Zeit"

Ausgesprochen licht wirkt Mozarts Adagio und Rondo KV 617, eine wirklich anmutige Musik, mit Harfe, Flöte, Oboe, Bratsche und Cello feinsinnig instrumentiert, sowohl in der Traurigkeit des Adagios als auch im leichtfüßigen Esprit des Rondos. Schön, wie plastisch das Ensemble Zeitsprung in der Black Box diesen unbeschwerten Charme herausarbeitet.

Eine Weile muss man dann von dieser Prägnanz zehren, denn es folgt die Uraufführung von Markus Zahnhausens Werk "Klingende Zeit" für Bariton, Blockflöte, Cello und Klavier. In sieben Szenen werden hier die verschiedenen Stimmungen aus Günther Klinges Haiku-Gedichten interpretiert. Ohne Zweifel erschafft der Komponist, der selbst an der Flöte mitspielt, dabei eine farblich intensive Klanglichkeit: lieblich beruhigt im Prolog, inbrünstig klagend in der Cello-Kantilene aus der Szene "Bildnis", sinnlich in den vom facettenreichen Bariton Martin Danes gesummten Melodien aus "Erkenntnis". Besonders spannend aber ist Zahnhausens Behandlung des Zeitmaßes: Einmal fast vollkommen verschwindend, dann wieder von großer Deutlichkeit und das Werk mit einem puristischen Klopfgeräusch auch beschließend. Das an sich ist gut ausgedacht. Für die ausufernde Form der Komposition aber ist der Ideenvorrat dann doch etwas knapp bemessen.

Wie gut, dass nach der Pause bei Luciano Berios diabolischer, von Susanne Schlusnus mit bewundernswertem Ansatz geblasener Sequenza VII für Oboe und vor allem bei seinen Folk Songs für Mezzosopran und sieben Instrumente unter der Leitung von Markus Elsner auf gewisse Weise die Prägnanz der Mozartschen Tonsprache wieder aufgegriffen wird. Vor allem der humorvolle und auch mehr und mehr sichere Gesang der Mezzosopranistin Julia Rutigliano ist sehr belebend.
(ANDREAS PERNPEINTNER)

 

 

"Kunst gilt mir nichts, wenn sie nicht imstande ist, auf der Ebene des Unbewussten eine Verbindung zwischen dem, der das Kunstwerk schuf, und dem, der es wahrnimmt, herzustellen."
Leonard Bernstein, 1954

 

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